Die Entführung des Papstes Thriller von Benedikt Forbach

Ab dem 20.08.2026 erhältlich!
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Das wahre Vermächtnis Christi bedroht die Existenz der Kirche.

Paris: Vor laufenden Kameras wird Papst Clarius IX. entführt. Die ›Neuen Tempelritter‹ fordern den öffentlichen Widerruf einer zweitausend Jahre alten Lüge, die das Fundament des Christentums erschüttert.

Doch die größte Gefahr lauert hinter den Mauern des Vatikans: Kardinal Mandini nutzt das Chaos als Deckmantel für eine tödliche Intrige, um die absolute Macht an sich zu reißen.

Zwischen uralten Geheimnissen und blutigen Feuergefechten beginnt ein atemloser Wettlauf, der die Welt für immer verändern wird ...

Ein atemberaubender Pageturner, der Historie und Action meisterhaft vereint. Für Fans von intelligenten Verschwörungsthrillern ein absolutes Muss!

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Dieses Werk erscheint am 20.08.2026.

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Der Erzbischof von Paris war mehr als erregt – er war außer sich. Jeder, der ihn kannte, wusste, dass dieser gläubige Mann die Ruhe in Person war. Jetzt war sein Blutdruck jedoch dermaßen gestiegen, dass sein Sekretär befürchtete, ihm könne eine Arterie im Kopf platzen. Die bloße Vorstellung, seinen Förderer auf diese Weise zu verlieren, versetzte den Assistenten in Sorge.

Die beiden Männer gingen im Arbeitszimmer des Erzbischofs auf und ab. Die Schönheit und das geschmackvolle Ambiente, die dem Raum einen eigentümlich beruhigenden Zauber verliehen, ließen die beiden Geistlichen heute kalt. Sie hatten kein Auge dafür; sie waren mit etwas beschäftigt, das sie zutiefst beunruhigte. Dennoch versuchte der Assistent, das Problem herunterzuspielen:

»Wir wissen, dass es immer wieder Verrückte gibt, die uns ins Unglück stürzen wollen. Der Teufel hat oft genug seine Krallen nach der heiligen katholischen Kirche ausgestreckt. Er ist aber immer gescheitert und wird es auch dieses Mal. Der Mann, der uns den Brief geschrieben hat, will doch nur eines: Er will uns im Namen des Teufels verunsichern, damit die Gemeinschaft der allein selig machenden katholischen Kirche auseinanderbricht. Es wäre nicht das erste Mal, dass das ein Verrückter versucht. Wir Gläubigen lassen uns aber nicht verunsichern. Wir glauben an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.«

Der Erzbischof war Anfang fünfzig. Trotz seines Glaubens war er weltlichen Dingen gegenüber aufgeschlossen. Junge Gläubige verehrten ihn wie einen Popstar. Er spielte Gitarre und hatte mit einer bekannten französischen Chansonsängerin ein Album aufgenommen. Eines der Lieder stürmte innerhalb kürzester Zeit Frankreichs Charts und stand wochenlang auf Platz eins. Die Verleihung der Platin-Schallplatte war der krönende Abschluss seines Ausflugs in die Musikszene. Der Song wurde in den französischen Sendern rauf und runter gespielt, und er war Gast in zahlreichen Talkshows. Frauen, die dazu geladen waren, musterten ihn interessiert; einige machten ihm sogar schöne Augen, was er jedoch ignorierte.

Durch seine unbekümmerte, offene Art, auf Menschen zuzugehen, hatte er an Popularität gewonnen – und der Kirche viele neue Anhänger beschert. Da er von großer Statur war, volles schwarzes Haar und ein fein geschnittenes Gesicht hatte, erhielt er viel weibliche Fanpost. Mancher Brief enthielt ein eindeutiges Angebot mit Aktfotos. Die Damen sehnten sich innigst nach einer gemeinsamen Nacht, würden aber über dieses Abenteuer ihr Leben lang Stillschweigen wahren.

Wenn ihm der Assistent die Briefe und Fotos vorlegte, lief sein Vorgesetzter vor Verlegenheit rot an. Dennoch schmunzelte er, wenn er sie las und die Fotos in Augenschein nahm. Anschließend bat er seinen Assistenten, die Briefe freundlich zu beantworten, aber dezidiert darauf hinzuweisen, dass es ihm als Mann der Kirche nicht gestattet sei, mit einer Frau geschlechtlich zu verkehren; er habe sich für diesen Weg entschieden und werde nicht von ihm abweichen. Die Absenderinnen würde er in sein Abendgebet einschließen und für sie beten.

»Dann werden Sie eine Woche lang Stunde um Stunde und Tag für Tag beten müssen«, kommentierte sein Assistent süffisant den letzten Satz.

Der Erzbischof lächelte.

»Als Seelsorger müssen wir immer ein Ohr für die Sorgen unserer Schäfchen haben und bei ihren Wünschen ein Auge zudrücken.«

Der Brief aber, den er jetzt in den Händen hielt, brachte ihn aus der Fassung. Von allen Drohbriefen, die er in seiner Amtszeit erhalten hatte, war dieser der unverschämteste.

Es waren eiskalte Wintertage kurz vor Weihnachten. Die Haushälterin hatte die Villa, in der der Erzbischof seinen Dienstsitz hatte, behaglich geheizt. Für die Feiertage hatte sie das Wohnzimmer festlich geschmückt. Auf dem Esstisch lag ein Leinentuch mit schalmeiblasenden Engeln, an den Fenstern hingen Tannenzweige mit roten Kugeln und Lametta, und in einer Ecke stand ein großer, bunt geschmückter Tannenbaum. Gebäck in einer Porzellanschale auf dem Tisch verströmte den verlockenden Duft von Zimt, Kardamom und Vanille. Gelegentlich nahm sich ein Vogel, der im Garten nach Nahrung suchte, die Zeit, einen Blick in den anheimelnden Raum zu werfen. Nachdem er ihn zu seiner Zufriedenheit begutachtet hatte, flog er wieder davon.

Der Erzbischof saß in seinem Arbeitszimmer in bequemer Kleidung und bereitete sich auf die Weihnachtspredigt vor. Zwei Originale von Joan Miró und geschmackvolle Möbel gaben dem Raum eine persönliche Note. In den Regalen reihte sich ein Buch an das andere, auch alte Folianten. Die Originalausgabe einer

Thomas-Müntzer-Bibel war das wertvollste Buch, das seine Sammlung zierte. Als er in seiner Jugend Deutschland bereiste, führte ihn sein Weg auch nach Stuttgart. Auf einem Flohmarkt stieß er zufällig auf den Tisch eines Händlers, der sich auf alte Bücher spezialisiert hatte. Er durchblätterte einige Folianten und entdeckte plötzlich diese Bibel. Er konnte im ersten Moment nicht glauben, dass er das Werk dieses Kirchenrevoluzzers in den Händen hielt.

Er hätte es als persönliche Niederlage betrachtet, wenn er ohne seinen Fund heimgekehrt wäre. So handelte er den Preis von eintausend D-Mark herunter; bei sechshundert wurden sich Händler und Käufer einig. Der aktuelle Wert des gedruckten Wortes Gottes belief sich wahrscheinlich auf mehr als zweihunderttausend Euro. Diese Bibel war sein ganzer Stolz.

Er hatte sich ein Glas Rotwein eingeschenkt. Ab und zu sah er von seinen Notizen auf und trank einen Schluck dieser Köstlichkeit. Er drückte den Wein an den Gaumen und führte ihm Luft zu, damit sich der Geschmack voll entfalten konnte. Er genoss es, wenn ihm seine Haushälterin eine Flasche aus seinem gut sortierten Weinkeller hochtrug und sie ihm wie eine Sommelière präsentierte.

Der französische Staatspräsident hatte sich samt seiner neuen Gemahlin angesagt, weshalb er etwas aufgeregt war. Dass der Präsident aller Franzosen in seine Kirche kommen würde, war etwas Besonderes. Schon Wochen vorher hatte der Geheimdienst die Kirche inspiziert, um sicherzustellen, dass das Präsidentenpaar den Worten des Erzbischofs gefahrlos lauschen konnte. Die Plätze der Scharfschützen wurden so ausgewählt, dass sie die Aufmerksamkeit der Gottesdienstteilnehmer nicht auf sich ziehen würden. Mit der Koordination der Sicherheitsvorkehrungen betraute er seinen Assistenten, dem er sein volles Vertrauen schenkte.

Der junge Mann hatte in Paris Theologie studiert und war anschließend in den Orden der Kapuziner eingetreten. Anlässlich eines Besuchs des Ordens wurde der Erzbischof auf den jungen Mönch aufmerksam und fragte, ob er Interesse habe, sein persönlicher Assistent zu werden. Der junge Mann sagte sofort zu. Eine Woche später verabschiedete er sich von seinen Mitbrüdern und setzte sich in den Zug nach Paris.

Auf der Fahrt freute er sich auf die neuen Aufgaben: Internetchats und Telefonate mit verzweifelten Gläubigen, die Betreuung verlassener Schwangerer, der Zuspruch für arme Brüder und Schwestern sowie die Erledigung der Korrespondenz des Erzbischofs. Das war aber nur ein Bruchteil seiner Tätigkeit, wie sich bald herausstellte. Der Erzbischof arbeitete ihn ebenfalls in die Kirchenpolitik ein. Personalpolitik und Sorgen der Mitarbeiter der katholischen Kirche, die Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes hatten, nahmen einen großen Teil seiner Arbeitszeit in Anspruch. Wenn es seine Zeit zuließ, ging er ins Internet und gab all denen, die lebensmüde waren, Zuversicht und neuen Lebensmut. Sie dankten es ihm durch unzählige Dankes-Mails. Das machte auf den Erzbischof einen nachhaltig positiven Eindruck, und er beglückwünschte sich zu seiner Entscheidung, ihn aus dem Kloster zu sich nach Paris geholt zu haben.

Der Erzbischof suchte in der Bibel gerade Passagen für seine Weihnachtspredigt, die die Aufmerksamkeit der Gemeinde wecken sollten, als es klingelte. Sein Assistent war in der Stadt, um für seine Familie Weihnachtsgeschenke einzukaufen, und so ging die Haushälterin zur Tür. Sicherheitshalber schaute sie durch den Türspion, um sich und ihren Dienstherrn vor unliebsamen Überraschungen zu schützen. Als sie einen kleinen Jungen sah, öffnete sie. Er war in einen dicken Mantel gehüllt, trug Handschuhe und sein Gesicht war von der Kälte gerötet. Er hielt ein Kuvert in der Hand.

»Guten Tag, Madame, diesen Brief soll ich abgeben. Ein Mann hat mich damit beauftragt.«

Die Haushälterin nahm ihn entgegen, bedankte sich, holte für den kleinen Kerl eine Orange aus der Küche und schloss verwundert die Tür hinter ihm.

Es war ungewöhnlich, dass Briefe persönlich beim Erzbischof abgegeben wurden. Seine Adresse war aus Sicherheitsgründen nur wenigen bekannt. Einige Verwirrte hatten in der Vergangenheit sogar gedroht, ihn umzubringen, wenn er seine Predigten nicht einstelle. Der Erzbischof hatte darüber nur gespottet. Er ließ sich von nichts und niemandem einschüchtern. Die Haushälterin schaute sich den Brief genauer an: Kein Absender. Kopfschüttelnd ging sie zum Arbeitszimmer ihres Chefs und klopfte an die Tür. Als sie eintrat, schaute der Erzbischof überrascht auf.

»Na, was gibt es denn so Dringendes, dass ich die Worte des Herrn nicht weiterverfolgen darf?«

»Ein Brief ist von einem kleinen Jungen abgegeben worden. Ohne Absender. Ihr Name steht auf dem Umschlag. Nach der Dicke zu urteilen, enthält er mindestens zwei Blätter.«

»Legen Sie ihn bitte auf den Schreibtisch. Wenn ich Zeit habe, werde ich ihn lesen. So wichtig kann er nicht sein, dass ich meine Arbeit unterbrechen muss.«

Zwei Stunden später kehrte sein Assistent von den Weihnachtseinkäufen zurück. Er war mit Taschen und Tüten schwer beladen, die er in sein Zimmer im obersten Stockwerk trug. Dass er in der Villa des Erzbischofs wohnte, hatte den Vorteil kurzer Wege für die Kommunikation. Manchmal arbeitete der Erzbischof bis in die Nacht, und da sein Assistent in der Nähe war, konnte er mit ihm sofort wichtige Anliegen besprechen. Im Laufe der Zeit wusste der Assistent nahezu immer, was sein Vorgesetzter plante, und so bedurfte es nur weniger Worte, um ein Problem zu lösen. Kurzum: Sie waren ein eingespieltes Team.

Als der Assistent das Arbeitszimmer betrat, begrüßte ihn der Erzbischof freudig und erkundigte sich nach den Weihnachtseinkäufen.

»Da wird Ihre Familie zum Fest aber reich beschenkt!«

»Das liegt mir am Herzen«, antwortete sein Schützling.

In seiner Robe sah er umwerfend gut aus. Sein dichtes, lockiges Haar war modisch geschnitten, und die schwarze Kleidung stand in einem augenfälligen Kontrast zu dem Blond seines Schopfes. Da schauten ihm die Damen gerne länger in die Augen. Aber auch er hatte ein Gelübde abgelegt, und weibliche sowie männliche Reize ließen ihn kalt. Er hatte sein Leben Gott geweiht, und dabei sollte es bleiben.

Er blickte auf den Umschlag, den der Erzbischof beiseitegelegt hatte. Neugierig fragte er: »Warum haben Sie den Brief nicht geöffnet?«

»Oh, den habe ich über meiner Weihnachtspredigt ganz vergessen.«

Der Erzbischof schlitzte ihn auf und las.

Es war genau dieser Moment gewesen, in dem die Zornesröte in sein Gesicht geschossen war. Die Ruhe, die eben noch in der festlich geschmückten Villa geherrscht hatte, war schlagartig verflogen. Nachdem der erste Schock überwunden war und der Assistent vergeblich versucht hatte, ihn mit den anfänglichen Worten zu beschwichtigen, fasste der Erzbischof einen Entschluss.

»Wir müssen Rom in Kenntnis setzen«, sagte er nun mit Nachdruck. »Was dieser Brief bezwecken soll, müssen andere beurteilen. Wir halten uns da raus, aber wenn wir eine Kopie an den persönlichen Sekretär des Papstes – Kardinal Mandini – senden, kann man uns später kein Versäumnis vorwerfen. Was er damit macht, ist seine Entscheidung, aber er soll wissen, womit wir uns hier herumschlagen. Stellen Sie mir eine Verbindung mit ihm her; er müsste noch zu sprechen sein.«

Der Assistent griff zum Telefonhörer und wählte die Nummer der zentralen Telefonvermittlung des Vatikans, die ihn durchstellte. Als der Kardinal sich meldete, reichte er den Hörer seinem Vorgesetzten und wollte den Raum verlassen, doch der bedeutete ihm zu bleiben. So hörte er, wie der Erzbischof den Kardinal über den brisanten Brief informierte, dessen Absender er eigentlich für nicht zurechnungsfähig halte, aber man wisse ja nie.

Mandini hörte gelangweilt zu und bat, ihm den Brief zuzufaxen. Dann bedankte er sich, wünschte ihm für die Weihnachtspredigt Gottes Segen und legte auf.

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