Der Stern von Kandiron Fantasyroman von Markus Estermann

Ab dem 09.04.2026 erhältlich!
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Video Der Stern von Kandiron

Die Macht des Sterns kann eine Welt retten – oder zerstören.

In Kandiron stehen zwei verfeindete Reiche am Abgrund. Während die Herrscher Panolo und Solgero ihre Armeen rüsten, liegt die einzige Hoffnung in den Händen ihrer Kinder Tengero und Elara: Nur wenn sie gemeinsam mit den letzten Hütern einer vergessenen Ordnung die Splitter des legendären Sterns von Kandiron finden, lässt sich das drohende Blutvergießen noch verhindern.

Doch die Macht des Sterns fordert ihren Preis. Inmitten von Verrat und Solgeros grenzenloser Gier müssen Tengero und Elara entscheiden, was sie opfern: ihre Liebe oder die Zukunft ihrer Welt.

Ein intensives Leseerlebnis zwischen Verrat und Hoffnung – dieser Fantasyroman greift nach dem Herzen und lässt dich bis zum letzten Satz nicht mehr los.

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Leseprobe

Mit der rechten Hand klammerte sie sich an einen schmalen Vorsprung. Der linke Arm hing leblos herab. Blut sickerte aus einem tiefen Riss am Oberarm und zeichnete dunkle Streifen über den rauen Felsen. Ihre Finger waren staubig und kalt vom Granit. Ihre Füße suchten vergeblich Halt an dieser mitleidlosen Wand. Immer wieder schlug ihre Wange gegen den Stein. Die rechte Seite war aufgerissen, geschürft und blutunterlaufen, als hätte der Fels sie gezeichnet.

Tengero kletterte so schnell er konnte den Abhang hinab. Unter der gespannten Haut sprangen die Muskeln, und seine Finger tasteten hastig in jede Ritze. Der Atem brannte trocken in der Kehle, und Staub klebte am Gaumen. Nach endlosen Minuten war er nur noch eine Armlänge von Elara entfernt.

Erst jetzt begriff er, in welcher Todeshöhe sie hing. Sie hing an einer senkrechten Wand, die wohl zweihundert Meter in die Leere fiel. Kälte kroch aus der Schlucht herauf. Sie strich schabend über den Felsen. Feine Kiesel lösten sich und klackten in die Tiefe.

»Halt dich fest, ich bin gleich da!«, rief er. Die Angst in seiner Stimme war scharf wie Schiefer. »Hier, meine Hand. Versuch, sie zu greifen.« Er lehnte sich so weit er konnte hinaus und streckte ihr den Arm entgegen.

»Ich kann nicht. Mein linker Arm … ich kann ihn nicht heben«, stieß sie hervor. Ihre Wange schrammte erneut über den Stein. Ein keuchender Laut entfuhr ihr, halb Schmerz, halb Verzweiflung.

»Doch, du kannst es. Nimm meine Hand!«, befahl er. Er machte die Worte hart, um die Panik zu bändigen.

»Tengero … ich kann mich nicht mehr festhalten!«, schrie sie. In ihrem Blick lag eine dunkle, größere Angst. Ihre Finger rutschten Zentimeter um Zentimeter, bis nur noch die Spitzen hielten.

»Elara, lass nicht los! Ich bin gleich bei dir, hörst du? Lass nicht los!«, brüllte er. Er kraxelte seitwärts, und der Fels riss ihm den Atem aus der Brust.

Da fiel ihm Diraladon ein. Er hörte den Satz, als stünde der Alte neben ihm. ›Der Atem der Erde hält den, dem du vertraust.‹ Tengero setzte den Fuß ins Leere, verlor den Halt und fing sich gerade noch. Warum klappte das jetzt nicht, alter Kauz?

Mit einem letzten Stoß war er auf gleicher Höhe. Nur eine halbe Körperlänge trennte ihre Hände. Da wurde Elara still. Ihr Blick suchte seinen, hoffnungslos und zugleich seltsam ruhig.

»Tengero … ich kann nicht mehr. Ich stürze.« Es war ein Hauch, mehr Atem als Stimme. »Ich liebe dich, mehr als mein Leben.«

Der Vorsprung brach unter ihren Fingern. Sie schrie nicht. Ihr Atem riss ab. Für einen Herzschlag hielt ihr Blick ihn fest. Dann fiel sie.

Ihr blondes Haar riss im Aufwind. Ihr Körper kippte in den freien Raum. Der Wind schnitt kalt.

»Elara! Neeeeiiiin!« Sein Schrei fuhr in die Schlucht. Mit der einen Hand klammerte er sich an den Felsen. Die andere riss ins Nichts. Wieder und wieder rief er ihren Namen, als könne er sie zurückholen. Nach wenigen Sekunden oder nach Ewigkeiten entzog die schräg abfallende Wand sie seinem Blick.

Tengero blieb wie betäubt im Gestein hängen. Ein dumpfer Schlag aus der Tiefe riss ihn schließlich los. Metallischer Blutgeschmack schoss ihm in den Mund. Etwas in ihm stürzte ein.

Einen Augenblick lang beugte er sich vor, um loszulassen. Da war eine Stimme, klar in seinem Kopf. »Tengero, nein. Tu es nicht.«

Er fuhr zusammen. Seine Finger fanden wieder Ritzen, als wären sie nie fort gewesen. Er kletterte. Er wusste nicht, wie lange. Er wusste nur, dass der Felsen schabte und das Hemd ihm nass am Rücken klebte.

Als er wieder wahrnahm, wo er war, kauerte er im staubigen Geröll. Er weinte hemmungslos. Minuten dehnten sich wie zähes Harz. Schließlich sank sein Kopf auf den Unterarm. Er schlief nicht. Er sank nur dumpf weg, leer und ausgeweint.

Als er die Augen öffnete, stand die Sonne hoch. Hitze lag wie ein schweres Tuch auf der Haut und ließ den Staub in der Luft stehen. Er schleppte sich in den Schatten eines großen Steins und lehnte sich an.

Arme und Beine waren zerkratzt, und die Haut brannte. Er spürte es kaum. Tränen liefen leise, als sickerte etwas von innen nach außen. Hoch über ihm zog ein Adler seine Kreise. Er stieß in gleichmäßigen Abständen einen hellen Schrei aus. Tengero blickte hinauf, ohne wirklich zu sehen. Zeit rann.

Plötzlich stand er auf. Er schlug den Staub von Kleidung und Haar, und eine graue Wolke stob. Sein feines Hemd, Stoff wie für Vornehme, hing in Fetzen. Er trat an den Rand des Vorsprungs, dorthin, wo alles geschehen war, und sah hinab.

»Ich muss sie finden. Das bin ich ihrem Vater schuldig«, sagte er leise in den Wind. An der Steilwand gab es keinen Weg. Er würde den großen Umweg nehmen. Die Sonne sank, und Abendrot legte sich um den Tinaka und seinen verschneiten Gipfel wie ein glühender Mantel. Ein kühler Hauch strich über den Felsen. Er war ein kleiner Trost.

Gejagt vom inneren Drang beschleunigte Tengero den Schritt. Nach einigen Kilometern erreichte er die Baumgrenze. Er arbeitete sich in den Wald. Er kletterte über umgestürzte Stämme und große Blöcke. Er zwängte sich durch Dornenranken, die seine Beine neu aufrissen und in feine Blutperlen setzten.

Harz hing schwer in der Luft. Irgendwo tickte ein Käfer, trocken und gleichmäßig. Die Luft wurde feuchter, und der Boden federte. In der Ferne lag ein dumpfes Echo, wie ein verschluckter Ruf.

Nichts hielt ihn auf. Gegen den Schmerz in den Gliedern war der im Herzen ein Sturm. Erst als die Dunkelheit so dicht wurde, dass jeder Schritt zur Gefahr geriet, tastete er sich zu einem Bach vor. Dort beschloss er zu lagern.

Er trank gierig von dem kalten, klaren Wasser. Es schmeckte nach Schmelzwasser und wusch den Staub aus dem Mund. Dann zog er die Schuhe aus und tauchte die blasigen Füße in das eisige Nass. Ein leises Zischen der Erleichterung entfuhr ihm.

Holz war rasch gesammelt. Seine Hände arbeiteten wie in Trance. Bald leckte eine kleine Flamme an nasser Rinde, fraß sich durch und stieß Funken. Sie wurde zu einem zaghaften Feuer. Tengero lehnte sich an den Stamm und starrte in die Glut. Der Rauch roch nach nassem Holz und Harz.

Gedanken und Vorwürfe schoben sich in Wellen durch ihn. Er war bis ins Mark erschöpft, und doch blieb er wach. Stunde um Stunde. Begleitet nur vom Knacken des Holzes und den stummen Schritten der Sterne hinter den Zweigen.

Irgendwann fielen ihm die Augen zu. Er träumte. Er kämpfte gegen Riesen. Er rannte, rief und griff. Jedes Mal, wenn er Elara fast erreicht hatte, verlor er sie wieder. Mit den ersten kühlen Sonnenstreifen fuhr er hoch, schweißnass.

Weiße Wolken trieben über das azurblaue Hochland. Beim Aufstehen schmerzte jeder Muskel. Wunden zogen über die Haut. An den heilen Stellen stand der Brand des Vortags. Die Blasen waren gespannt.

Tengero war kein verweichlichter junger Mann. Seine Kindheit war hart gewesen. Jeden Morgen kippte seine Mutter ihm einen Eimer kaltes Wasser über. Sie war überzeugt gewesen, es stärke. Ohne Zögern streifte er die Kleidung ab und legte sich in den Bach. Das Wasser schnitt wie Glas, und es gab ihm Kraft zurück. Die Haut prickelte und kühlte ab.

Als er sich abtrocknete, kam die Erinnerung an den Vortag mit brutaler Klarheit zurück. Er musste sie finden. Sofort brach er auf. Er folgte dem Bach ein Stück und bog dann in das unwegsame Geröll.

Stunden später stand er endlich am Fuß der Steilwand. Hier irgendwo, dachte er. Hier irgendwo musste Elara liegen.

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