62 Thriller von Hans Dekker

Ab dem 09.02.2026 erhältlich!
Coverbild
Buch / E-Book kaufen

Sie dachten, er sei am Ende ...

Eigentlich hat der pensionierte Polizeihauptkommissar Günther Sperl mit dem Leben abgeschlossen. Seinen 62. Geburtstag feiert er resigniert und allein in seiner Kölner Wohnung.

Doch als das Geld knapp wird, bietet sich ein ungewöhnlicher Ausweg: Als ›Gentleman-Host‹ soll er auf einem Luxusliner einsame Damen unterhalten. Ein vermeintlicher Traumjob, der zum Albtraum wird, als Sperl mitten in ein tödliches Komplott gerät. Ein gnadenloser Trip durch Europa beginnt.

Zwischen aristokratischen Verschwörern und illegalem Waffenhandel holen ihn die Schatten seiner eigenen Vergangenheit ein. In einem Netz aus Verrat werden seine alten Instinkte zur einzigen Überlebenschance.

Ein hochbrisanter Polit-Thriller – packend, abgründig und mit einer Prise jenes trockenen Humors, den man nur hat, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.

Chaptune Logo - Die Musik zum Buch

Ein exklusives chaptune Musikalbum begleitet dich durch jede Seite. Den Zugangscode findest du in deiner Print- oder E-Book-Ausgabe. Kostprobe gefällig?

Jetzt reinhören

Neugierig, wie es weitergeht?

Dann hole dir das Buch beim (Online-) Buchhändler deines Vertrauens!

Shop
0 % gelesen
Schriftgröße: 100 %

Shop

Dieses Buch ist noch nicht erschienen.

Coverbild

Und wenn ich nicht gestorben bin ...

In der kleinen, schmuddeligen Küche brannte schwaches Licht. Abwasch türmte sich auf der Spüle, und zwei verdreckte Pfannen leisteten einem Dutzend schmutziger Teller und Tassen Gesellschaft. Ein Eierbecher war voller Zigarettenkippen. Im Schrank wartete kein Geschirr mehr.

Sperl kauerte gelangweilt auf einem Stuhl am Tischende und starrte mit leeren Augen auf ein Marzipanbrot, das auf einer Untertasse vor ihm auf dem Tisch lag. Darin steckte eine kleine, brennende Tortenkerze. Sein verlotterter Bademantel kratzte auf der alten Haut, und er fröstelte ein wenig. Die Heizung war seit den frühen Morgenstunden wieder einmal ausgefallen. Die Hausverwaltung hatte für die kommenden Tage Handwerker angekündigt, ohne den konkreten Termin zu benennen. Draußen auf der Straße riss eine Firma mit ohrenbetäubendem Lärm die Gehwege auf.

Sperl hatte nicht gefragt warum und vermutete irgendetwas mit Glasfasern.

Er feierte seinen 62. Geburtstag, mutterseelenallein, und nur ein alter Gummibaum leistete ihm Gesellschaft. In der Zwei-Zimmer-Wohnung gab Johnny Cash aus kleinen Lautsprechern mit ›Hurt‹ sein Bestes. Immer und immer wieder säuselte er seinen Song in Sperls Küche, während das Geburtstagskind mit dem Zeigefinger die Flamme der armseligen Geburtstagskerze kreuzte. Es gab schon bessere Geburtstagsfeiern für Sperl, verdammt noch mal, viel bessere.

Zwischendurch las er immer wieder den Text der Entlassungsurkunde, die ihm am Morgen postalisch per Einschreiben zugestellt worden war. Vom Kölner Polizeipräsidium hatte sich zu seiner Pensionierung niemand persönlich gemeldet. Er war wütend, hielt aber seine Emotionen im Zaum.

Ein Wunder, dass das Präsidium überhaupt daran gedacht hat.

Polizeihauptkommissar Sperl war seit Monaten im Krankenstand. Depressionen laut Attest, und sein Hausarzt hatte ihm zu einer Kur geraten. Womöglich hätte er hierbei in einem abgelegenen Eifel-Kloster mit anderen Leidensgenossen flauschige Stofftiere hin und her geworfen, und nach endlosen Therapiesitzungen wären die überforderten Therapeuten zu dem Ergebnis gekommen, dass er ein Misanthrop sei. Darauf hatte Sperl keinen Bock.

Auf seiner ehemaligen Dienststelle war er nicht mehr vermisst worden. Der Übergang zur Pension war demnach fließend. Von einem persönlichen Grußwort des Polizeipräsidenten ganz zu schweigen. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage zu beschäftigt, hieß es lapidar. Der Christopher Street Day stand an. Das hatte höhere Priorität, belehrte ihn ein knappes Begleitschreiben der Vorzimmerkraft aus dem Präsidium. Das geheuchelte Bedauern überlas er. Sechsundvierzig Jahre treu Dienst geleistet, und jetzt schickten sie ihm dieses Teil mit der Post.

»Leckt mich!«, zitierte er frei nach Götz von Berlichingen und goss sich einen lauwarmen Jägermeister ein.

Das Eisfach seines Kühlschranks war seit Wochen defekt, demnach musste die Jäger-Droge handwarm in seinen Magen.

»Wenigstens hab ich die Kohle für einen Ausstand gespart«, brummte er, ohne dass dies seine Stimmung spürbar aufgeheitert hätte.

Als Cash zum x-ten Mal sein ›Hurt‹ spielte, griff Sperl zu einem vergilbten Fotoalbum, während er den Refrain ›What have I become, my sweetest friend‹ summte.

Der ›süßeste Freund‹ war Cashs Metapher für den Tod. Das hatte Sperl im Internet nachgelesen. Er dachte zuletzt häufig an den Tod. Insbesondere, wenn er wieder einmal nach einer durchzechten Nacht verkatert aufgewacht war und die Stiche in seiner Brust nicht mehr ignorieren konnte, spürte er, wie der Sensenmann beide Hände nach ihm ausstreckte. Das letzte Mal war gerade einmal drei Tage her, nach der Beerdigung eines ehemaligen Kollegen. In dieser melancholischen Stimmung war es wieder einmal Zeit für einen Blick ins Familienalbum. Gut aussehende Frau, Sandkastenliebe, zwei tolle Kinder, Tochter und Sohn, Italienurlaube, Kommunion, das erste Mofa des Juniors, Silberhochzeit und so weiter.

Im Verlauf seiner Ehe gab es immer mal Schwierigkeiten, eigentlich nur Banalitäten, nichts Erschütterndes. Geldsorgen, die üblichen Eifersüchteleien, abnehmende Wahrnehmung und Wertschätzung, wie überall. Am Ende war die Liebe aber erloschen. Sperls Ehefrau gestand ihm eine Affäre mit einem jüngeren Kollegen vom Mobilen Einsatzkommando aus dem Polizeipräsidium. Das hätte er nie erwartet. Er selbst hatte während der langen Ehe unzählige Affären, die unbemerkt geblieben waren. Lisa war aber tatsächlich die Liebe seines Lebens.

Entdecke mehr: