Die rote Eule Psychothriller von Peter Baacke

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Video Die rote Eule

Rache, Wahn und dunkle Rituale

Max glaubt an Fakten, an die Freiheit auf See und an seine Yacht Bounty. Doch sein geordnetes Leben in Eckernförde gerät aus den Fugen, als seine hochschwangere Frau Sybille nach einem tragischen Schicksalsschlag in den Bann einer charismatischen Schamanin gerät.

Was als spirituelle Heilung beginnt, entpuppt sich als ein perfides Netz aus Manipulation und dunklen Ritualen. Überall taucht sie auf: die rote Eule – ein Omen, das den Wahnsinn ankündigt. Während Sybille sich zusehends verändert, stellt sich Max die alles entscheidende Frage: Ist die Gefahr real, oder verliert er selbst den Verstand?

Ein fesselnder Psychothriller über Besessenheit, Schuld und die zerstörerische Kraft der Rache.

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Leseprobe

Es war einer dieser Frühlingstage, an denen das Licht wie ein goldenes Band über die Ostsee glitt. Der Wind trug den Geruch von Seetang herüber und mischte ihn mit dem süßlichen Duft frisch gemähter Gärten. Max Lüdecke stand barfuß auf der Terrasse des kleinen Einfamilienhauses in Schwedeneck.

Er war jetzt Anfang vierzig, groß und breitschultrig. Als leitender Ingenieur in einem Marinebetrieb in Kiel hatte er es für sein Alter schon recht weit gebracht. Max war zielstrebig und wusste, was er im Leben wollte. Seine große Leidenschaft war das Segeln. Er hatte eine Yacht im Hafen von Eckernförde. Sein erstes Baby hieß Bounty.

Sybille war Mitte dreißig und für eine Frau groß, einen Meter achtzig, schlank und sportlich, auch noch in ihrer Schwangerschaft. Sie arbeitete als Versicherungsangestellte in Kiel, war etwas introvertiert und zugleich fügsam. Ihr Vater hatte ihr damals den Beruf ausgesucht. Sie hatte noch keine konkrete Vorstellung vom Leben, als sie Max im Fitnesscenter kennenlernte, während Max bereits von Familie – Haus – Baum – Boot träumte. Das konnte er nur erreichen, wenn er auch Karriere in seiner Firma machte. Sein Blick wanderte über den gepflegten Rasen, den weißen Holzzaun und die Rosen, die Sybille erst im Frühjahr gepflanzt hatte. In den Fenstern spiegelte sich der Himmel, als hätte er die Farbe des Sommers nur für sie beide gewählt.

»In ein paar Wochen sind wir zu dritt.« Sybilles Stimme kam von der Terrassentür. Sie stand da, barfuß wie er, das helle Kleid spannte sich sanft über ihren Bauch. Ihr blonder Kurzhaarschnitt ließ sie sehr jugendlich wirken, trotz der runden Formen, die die Schwangerschaft gezeichnet hatte. Max drehte sich zu ihr um; sein Lächeln breitete sich langsam aus. »Es wird unser schönstes Abenteuer.«

Sie trat zu ihm hinaus. »Abenteuer klingt, als ob wir auf eine Expedition gehen.«

»Sind wir doch auch.« Max zog sie näher an sich. »Nur diesmal nicht nach draußen, sondern nach innen. Zu uns.«

Sybille lachte, leise und hell, wie das Klirren von Gläsern im Sommerwind. »Wenn du so weiterredest, solltest du die Werbetexte für Kinderzimmermöbel schreiben.«

Sein Blick glitt automatisch nach oben, in das Zimmer unter dem Dach, dessen Fensterläden weit geöffnet standen. »Ich glaube, es passt perfekt.«

Im Kinderzimmer stand bereits alles bereit: ein kleines Bett in Pastellgrün, eine Kommode in sanftem Gelb, ein Schaukelstuhl, in dem Sybille abends manchmal saß, um die winzigen Strampler zu falten. An den Wänden klebten Wolken und Sonnen in zarten Farben. Es war ein Raum, der förmlich leuchtete.

»Ich mag, wie hell es hier ist.« Sybille folgte seinem Blick. »Es fühlt sich an wie ein Versprechen.«

»Es ist ein Versprechen.« Max legte die Hand auf ihren Bauch. »Für uns drei.«

Sie blieben so eine Weile stehen, hörten das ferne Rauschen der Wellen vom Surendorfer Strand, das Zirpen der Grillen im Gras, das Bellen eines Hundes aus der Nachbarschaft. Es war eine heile Welt, getragen von einfachen Rhythmen: Arbeit in Kiel, gemeinsames Lachen beim Abendessen, kurze Gespräche mit den Nachbarn, die im Sommer ihre Gärten herrichteten.

»Weißt du noch, wie wir uns im Fitnesscenter kennengelernt haben? Du mit deinem strengsten Trainerblick der Welt?«

Max grinste. »Und du, wie du die Einzige warst, die das Laufband in Rekordtempo überlebt hat.«

»Ich wollte beeindrucken.« Sie zwinkerte. »Hat funktioniert.«

Er zog sie sanft an sich, küsste sie auf die Stirn. »Ich hätte nie gedacht, dass wir mal hier landen. Haus, Garten, Kind.«

»Es klingt nach Spießigkeit, wenn du es so sagst.«

»Nein.« Er schüttelte den Kopf. »Es klingt nach Glück.«

Sybille lehnte sich an ihn, als wollte sie den Moment in sich aufnehmen, als wüsste sie, wie zerbrechlich alles war. Dann, plötzlich, ein Laut. Ein dumpfes Poltern aus dem Obergeschoss. Max’ Kopf schnellte hoch. »Hast du das gehört?«

»Ja…« Sybille runzelte die Stirn. »Im Kinderzimmer?«

Sie sahen einander an. Die helle Idylle, eben noch wie in Pastellfarben gemalt, bekam einen feinen Riss – hauchdünn, kaum greifbar, doch spürbar. Und wieder war da dieses Geräusch. Als ob etwas im Zimmer über die Dielen rollte. Das Poltern kam wieder. Leise diesmal, fast so, als sei es nur ein Irrtum der Ohren gewesen, ein Spiel des Windes. Doch Max spürte, wie sich die Härchen an seinen Armen aufstellten.

»Vielleicht ist ein Fenster aufgegangen«, sagte er, ohne wirklich überzeugt zu klingen.

»Oder etwas ist vom Regal gefallen.« Sybille versuchte zu lächeln, doch ihre Stimme zitterte.

Sie gingen gemeinsam die Treppe hinauf. Das Holz knarrte unter ihren Schritten, obwohl sie beide versuchten, möglichst leise zu gehen – als könnten sie so verhindern, das zu stören, was da oben vielleicht lauerte. Die Tür zum Kinderzimmer stand einen Spalt offen. Ein matter Lichtstreifen fiel über den Flur, pastellig, friedlich, wie immer. Max legte die Hand an die Klinke.

»Bereit?«, fragte er flüsternd.

»Es ist doch nur ein Zimmer ...« Sybille atmete tief ein.

Er drückte die Tür auf. Das Kinderzimmer lag friedlich da. Zu friedlich. Die kleine Kinderwiege befand sich an der Wand, akkurat bezogen, das Kopfkissen aufgeschüttelt. Max fiel eine kleine Spielkarte unter dem Kinderbettchen auf. Es war eher eine Symbolkarte. Dieses Spiel kannte Max gar nicht. Auf dem Blatt war eine rote Eule mit feurigen Augen abgebildet. Wahrscheinlich hatte Sybille sie beim Aufräumen irgendwo liegengelassen. Er schenkte ihr keine weitere Beachtung. Auf der gelben Kommode stand ein leeres Glas, daneben ein zerfleddertes Bilderbuch mit einem Esel auf dem Cover. Der Schaukelstuhl bewegte sich – ein kaum sichtbares Wippen, das man leicht für Einbildung halten konnte. An den Wänden klebten Papierwolken, leicht vergilbt, ihre Ränder hoben sich ein wenig von der Tapete ab. Und bei jedem Luftzug schienen sie zu atmen. Alles war genauso, wie sie es hinterlassen hatten. Und doch – etwas stimmte nicht.

Ein feiner Geruch hing in der Luft. Nicht unangenehm, aber fremd. Schwer. Kräuter, vielleicht Lavendel – nein, etwas Bitteres, etwas, das an getrocknete Blätter erinnerte. Sybille rieb sich über die Nase, als könne sie den Geruch aus ihren Gedanken wischen.

»Riechst du das?« Ihre Stimme war flach, gespannt.

Max nickte langsam. Sein Blick glitt über den Boden, blieb abrupt stehen. Neben dem Bett, auf dem alten Dielenboden, lag etwas. Eine kleine Holzfigur. Sybille liebte diese Figur. Es war ein Vogel – mit einem irgendwie durchdringenden Blick, der auf einem runden Sockel befestigt war. Max fand sie immer scheußlich. Sybille hatte sie schon vor ihrer Ehe von ihrer besten Freundin Bettina geschenkt bekommen. Sie sagte Max immer, dass der Vogel sie beide beschützen würde – so ähnlich wie ein Schutzengel. Sie lag auf der Seite, der Schnabel in Richtung Tür, als hätte sie versucht, etwas zu sagen, bevor sie fiel und wegrollte. Sybille blickte sie ungläubig an.

»Wie kann die runterfallen?«, flüsterte sie. »Alle Fenster sind doch zu.«

Max schwieg. Die Luft war still. Dann ein Laut. Kaum hörbar, irgendwo zwischen einem Hauch und einem Flüstern. Vielleicht aus den Wänden. Vielleicht direkt hinter seinem Ohr: Willkommen ...

Das Wort war so leise, dass er sich nicht sicher war, ob es wirklich gesprochen oder nur gedacht worden war. Ein Kribbeln zog ihm über den Nacken.

Er schluckte. »Lass uns gehen«, sagte er mit fester Stimme, die jedoch zu brüchig klang, um überzeugend zu sein.

Dann griff er nach Sybilles Arm und zog sie zum Flur. Die Tür fiel ins Schloss – hart und laut. Und in dem Moment war das Wispern weg. Wie abgeschnitten. Max atmete schwer, presste die Hand gegen die Brust, als wolle er sein Herz beruhigen.

»Es war nur der Wind«, murmelte er, obwohl er wusste, dass das nicht stimmte. Sybille stand verwirrt da.

»Nein«, flüsterte sie. »Das war kein Wind.«

Dann – ein Geräusch. Ein leises, helles Lachen. Von draußen. Ein Kinderlachen. Kurz, glockenrein, so echt, dass Max für einen Moment glaubte, ein Kind im Garten zu sehen. Doch als er zum Fenster trat, war da niemand. Nur die alte Wiese und der Wind, der durch das hohe Gras strich – und irgendwo in der Ferne das leise Klirren eines Windspiels.

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