Mord ist mein Hobby Psychothriller von Henk Simon

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Eine Krankenschwester, der du vertraust. Eine Mörderin, die du nicht kommen siehst.

Tagsüber rettet Nelli Leben, nachts streicht sie die Namen von ihrer geheimen Todesliste. Keiner ahnt, dass die fürsorgliche Frau einst aus einer Klinik entkam – und Mord ihr Hobby ist. Doch während sie eiskalt ihr Doppelleben führt, drohen die dunklen Schatten der Vergangenheit sie unweigerlich einzuholen ...

Ein abgründiger Psychothriller, der die Grenzen zwischen Gut und Böse gnadenlos verwischt. Düster, provokant und absolut unvorhersehbar.

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Schloss Stolzenfels bei Koblenz, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zehn Minuten nach dem Ausbruch.

»Was ist hier los?!«, rief ein männlicher Pfleger, der aufgeregt zum Notausgang gerannt kam, wo sich Dominik, der achtzehnjährige Zivi, aufhielt.

Das rote Aufleuchten und schrille Tönen der Alarmanlage stressten alle Anwesenden sehr.

Dominik hatte erst seine dritte Woche in der Klinik. Er saß zusammengekauert auf dem Boden unter dem Notfallknopf. Die Scheibe war eingeschlagen. Dominiks Hand blutete.

»Ich hab’ was Dummes getan«, schluchzte er.

»Was ist passiert?« Der Pfleger namens Alex versuchte, ruhig zu bleiben. Das war leichter gesagt als getan. Er rechnete mit dem Schlimmsten und malte sich bereits die Kündigung in seinem Kopf aus, da er für Dominik zuständig war.

»Sie ist weg.« Dominik zeigte auf den Notausgang.

»Wer ist weg?«

»So ’ne Blonde. Ich weiß nicht, wie sie heißt.«

Alex ahnte bereits, um wen es sich handeln könnte.

»Wie kam sie an deine Karte?«, wollte er von Dominik hören.

»Du darfst es keinem sagen, okay? Es ist mir sehr peinlich.« Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

»Nun sag schon«, stöhnte Alex.

»Sie hat mir ... ihre Brüste gezeigt ...«, stotterte Dominik.

Alex musste lachen. Er wusste nun genau, wer geflohen war. Er registrierte Dominiks verletzten Blick und stoppte sofort mit seiner Freude.

»Sorry.« Er half Dominik hoch. »Wenn wir’s gemeinsam schaffen, sie wiederzufinden, können wir vielleicht ohne Konsequenzen davonkommen. Also, komm jetzt«, sagte Alex streng.

Dominik folgte der Anweisung.

Die beiden gingen nach oben zur Pforte, um sich abzumelden. Trotz wenig Begeisterung wurde ihrem Vorschlag zugestimmt. Alle anderen Mitarbeiter blieben in der Klinik und sorgten für Ruhe, da dank des Alarms das reinste Chaos ausgebrochen war.

Alex verstand nicht, wie das hatte passieren können. Die Klinik war ein Hochsicherheitssystem aus Routinen, Karten und Kontrollen. Wer war schuld an dem Debakel? Oder gab es Mittäter innerhalb der Klinik? Welche Konsequenzen würde es für diese Person oder sogar alle Mitarbeiter geben?

Fragen über Fragen, die nur einer beantworten konnte, der die geflohene Patientin am besten kannte: Doktor Draco, der vor ein paar Jahren der Klinik verwiesen worden war.

Alex und Dr. Draco waren trotzdem noch Freunde. Sie trafen sich einmal im Monat zur Skatrunde.

Da Alex wusste, dass Draco einst für die Entflohene zuständig gewesen war, rief er ihn an.

»Ja, hallo?«, fragte Draco kurz angebunden, weil er gerade einen Klienten bei sich sitzen hatte.

»Das Bienen-Mädchen ist abgehauen«, erklärte Alex.

»Hab’ schon gehört. Und was möchtest du jetzt von mir?«

Woher wusste er das?, fragte sich Alex, ließ sich jedoch nichts anmerken. »Wir suchen gerade nach ihr.«

»Findet sie – am besten, bevor die Polizei es tut«, antwortete Draco trocken in sein Mobiltelefon. »Ich bin quasi schon auf dem Weg zur Klinik.«

Es schien, als hätte der Doktor nur darauf gewartet, wieder ins Rampenlicht zu rücken. Doch er ahnte, dass die Sache einen Haken haben würde.

Circa vierzig Minuten später erreichte er die Klinik. Er musste sogar ein paar Minuten auf seine Verabredung mit Alex und dem Mädchen warten.

Mittlerweile war einigermaßen Ruhe eingekehrt. Ein paar Polizeibeamte liefen durchs Foyer und nahmen Personalien und mögliche Informationen auf.

Sein Mobiltelefon klingelte erneut. Es war Alex.

»Habt ihr sie?«

»Ja«, hechelte Alex. »Sind hinter der Klinik.«

»Komme.« Draco legte auf.

Hinter der Klinik befand sich eine Art alte Scheune. Hier warteten Dominik und Alex – zusammen mit einer blonden Frau, die auf dem Boden lag. Sie war völlig verdreckt und schien bewusstlos zu sein.

»Du da«, sagte Dr. Draco streng zu Dominik.

Dominik blickte vorsichtig zu ihm auf. Er war sichtlich eingeschüchtert.

»Bring uns Wasser«, befahl Draco.

Dominik tat, wie ihm geheißen, und verschwand.

Als Draco und Alex allein mit der noch bewusstlosen Frau waren, gab der Arzt dem Pfleger einen Schlag gegen den Hinterkopf. »Benutz den mal und guck sie dir genau an!«

»Wieso?«

»Das ist sie nicht«, entgegnete Draco trocken.

Alex musterte die junge Frau. Fuck! Sein Freund hatte recht. Das war eine völlig andere Person.

Draco seufzte, nachdem er Alex’ fassungslosen Blick bemerkt hatte. »Hör zu: Wenn jemand erfährt, dass hier eine Gestörte verschwunden ist, dann bist nicht nur du deinen Job los. Also behaupten wir einfach, dass sie die Geflüchtete ist und sich aufgrund eines hysterischen Anfalls selbst verletzt hat«, erklärte Draco sein Vorhaben.

»Glaubst du, dein Plan wird funktionieren?«

»Keine Sorge, verlass dich auf mich«, sagte Draco selbstsicher.

»Und was sagen wir dem Vater?« Alex kratzte sich grüblerisch am Kopf.

»Wir sagen erst mal nichts«, erwiderte Draco mit einem schelmischen Grinsen.

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