Systemgift Thriller von Hayden Hill
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Dein größter Gewinn ist in Wahrheit dein sicherer Untergang.
Maria Alvarez führt ein unsichtbares Leben als Straßenreinigerin in Madrid, bis ein Lottogewinn sie in die Welt der Superreichen katapultiert.
Doch ihre neue Freiheit auf einer Luxusyacht ist eine gefährliche Illusion. Während sie versucht, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden, ahnt sie nicht, dass Geheimdienste sie längst als Köder benutzen.
In einem tödlichen Wettlauf gegen die Zeit muss der Schweizer Ex-Agent Jordan Butler Maria finden, bevor das ›Phantom‹ des globalen Waffenhandels bemerkt, dass sein neuester Gast seine größte Bedrohung ist ...
Ein tiefgründiger Thriller über die Grenzen der Wahrnehmung und das dunkle Herz der Macht.
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Dieses Werk erscheint am 11.06.2026.
Die ersten drei Semester seiner damaligen Ausbildung beim Schweizer Nachrichtendienst meisterte er mit Bravour, doch vor dem vierten Semester brach er die Ausbildung ab. Die zunehmend im Zentrum stehende politische Komponente des Lehrganges war ihm zuwider. Ohne Berufsabschluss jobbte er im folgenden Winter als Bergführer und zeigte Touristen aus aller Welt die Schönheit der Alpen.
Der Chef des Sportfachgeschäfts, über welches Jordan seine Aufträge zum Führen der Touren erhielt, rief ihn an einem Freitagnachmittag an. Ein Gast habe explizit nach ihm gefragt.
»Woher kennt er denn meinen Namen?«, wollte Jordan wissen.
»Keine Ahnung. Vielleicht von einer dieser Bewertungsplattformen. Hast du Zeit morgen oder nicht?«
»Morgen ist schlecht. Geht’s am Sonntag?«
»Ich fürchte nicht. Er gab als mögliches Datum nur morgen an.«
Nach kurzem Zögern fragte Jordan: »Was will er denn?«
»Das ist ihm egal. Er hat keine große Erfahrung in den Bergen, wünscht sich aber einen Ausflug mit dir.«
»Das Wetter wäre sonntags auch besser … morgen geht’s nicht hoch hinaus.«
»Dann mach eben was Tiefes. Kannst du oder kannst du nicht?«, fragte der Chef zunehmend ungeduldig.
»Na schön, schick mir seine Angaben. Ich melde mich bei ihm.«
»Du hast sie schon in der Mailbox. Viel Spaß und vergiss die Monatsabrechnung nicht.«
Jordan prüfte auf seinem Smartphone das Wetter. Tatsächlich würde die Gebirgstour morgen eher als Wanderung ausfallen. Der Überdruck im Süden der Alpen würde zwar zu guter Sicht im Norden, aber auch zu stürmischen Winden im Hochgebirge führen. Nach einem kurzen Anruf beim Gast wusste Jordan, dass dieser mit einer voralpinen Wanderung zufrieden war. So plante Jordan einen Trip leicht oberhalb der Waldgrenze ohne windexponierte Stellen, schickte dem Gast die Daten des Treffpunkts sowie die Ausrüstungsliste, inklusive Hinweis auf das Sportfachgeschäft seines Vertrauens.
Wie immer war Jordan einige Minuten vor der Zeit beim Treffpunkt. Er saß auf der Bank vor der Bushaltestelle und wartete auf seinen Gast. Er musterte die Passanten und fragte sich bei jedem Neuauftauchenden, ob er wohl sein Gast wäre. Mit besorgtem Blick auf die für eine Wandertour ungeeigneten Schuhe hoffte Jordan mehr als einmal, der dazugehörige Passant möge an ihm vorbeigehen. Es war mühsam und anstrengend, den Touristen zu erklären, dass gewisses, durchaus modisches Schuhwerk nicht in die Alpen gehörte.
»Sind Sie Jordan?«, fragte eine männliche Stimme mit italienischem Akzent.
Jordan blickte über seine Schulter hinter die Bank und sah ihn zum ersten Mal: mittelgroß mit kleinem Bauchansatz, südländischer Typ und grauer Bart. Die auffällig aufmerksamen Augen blickten durch eine Brille mit dickem Rand und ebenso dicken Gläsern. Die ehemals schwarzen Haare waren mittlerweile grau meliert und nicht ganz kurz geschnitten.
»Ja«, antwortete Jordan, stand auf und reichte ihm die Hand.
»Freut mich, Michele. Passen diese Schuhe?«
Jordan blickte auf offensichtlich neue Wanderschuhe. Dazu trug Michele moderne Wanderhosen, einen blauen Pullover und eine graue Outdoorjacke sowie einen kleinen Tagesrucksack.
»Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Sie hätten sich als Wandertourist verkleidet.«
Michele bestand den Humortest und grinste: »Ich mache das nicht allzu oft. Aber für den heutigen Anlass schien es mir passend.«
»Welcher Anlass? Kommen weitere Gäste?«
»Nein, wir sind komplett. Von mir aus kann’s losgehen«, ignorierte Michele die erste Frage.
Jordan informierte seinen neuen Kunden über die einfachen Regeln auf der Wanderung. Nach einer kurzen Wartezeit kam der Bus und brachte die beiden an den Ausgangspunkt ihrer kurzen Tour.
Die Sonne stieg über die hohen Felskanten im Südosten und erwärmte die Südhänge. Weiter westlich deutete sich die starke Föhnströmung mit von Fallwinden spektakulär geformten Wolken an, die wie riesige Wasserfälle ins Tal zu stürzen schienen.
In der ersten Stunde des Marsches hatten sie kaum gesprochen. Michele schien gut zu Fuß zu sein, mit ihm hätte sich Jordan durchaus auch anspruchsvollere Touren vorstellen können. Für die erste etwas ausgedehntere Pause wählte Jordan einen Wendeplatz, der von Holzfällern als Zwischenlager und Verarbeitungsort benutzt wurde. Der Duft von frisch gefällten Bäumen lag in der Luft und sie setzten sich auf einen riesigen Baumstrunk am Rand des Platzes.
»Dein erstes Mal in der Schweiz?«, fragte Jordan.
»Ich bin Tessiner.«
»Oh, entschuldige.«
Es entstand eine unangenehme Pause. Jordan versuchte, den Faden wieder aufzunehmen: »Bist du länger im Oberland? Bei deiner Kondition könntest du sicher auch höhere Touren machen.«
Er hoffte, den Fauxpas mit dieser Schmeichelei wieder gut zu machen. Das würde sich positiv aufs Trinkgeld auswirken. »Die nächsten Tage ist das Wetter nichts dafür, aber in der zweiten Wochenhälfte geht sicher etwas.«
»Ich fürchte, ich bin morgen schon wieder weg.«
»Ach so. Dann genießen wir den heutigen Ausflug umso mehr.«
»Genießen ist wichtig.«
Der Satz hing wie eine nicht zu Ende erzählte Geschichte in der Luft. Jordan verließ sich in seinem Leben oft auf sein Bauchgefühl, obgleich ihm bewusst war, dass dieses nicht viel mit dem Bauch zu tun hatte, sondern neurologisch zu erklären war. Das menschliche Hirn führt nur einen kleinen Teil des Wahrgenommenen dem Bewusstsein zu. Die Mehrinformationen sammeln sich, kombiniert mit Erfahrungen, Emotionen und dem Teil der bewussten Wahrnehmungen. In bestimmten Situationen kann das Hirn auf das nie bewusst Erlebte oder Wahrgenommene zurückgreifen, was zum Effekt führt, der landläufig als Intuition bekannt ist.
»Warum wolltest du mit mir auf diese Tour?«, fragte er seinen Gast.
»Ich wollte mit dir reden.«
»Kennen wir uns?«
»Noch ist unsere Beziehung ziemlich einseitig. Das möchte ich ändern.«
Jordan blickte Michele direkt in die Augen: »Lassen Sie mich raten. Sie bauen in der Gegend ein Hotel und wollen mich als Fremdenführer anwerben?«
»Anwerben passt gut. Fremdenführer irgendwie auch. Hotels gehören ebenfalls dazu, sie gehören aber leider nicht mir.«
Michele spielte mit einem Tannenzweig und stocherte damit im Boden vor sich. Dabei ließ er Jordan nicht mehr aus den Augen.
»Kannst du gut mit Geheimnissen umgehen?«, fragte Michele.