Incubus Thriller von Jan Marschke

Ab dem 13.08.2026 erhältlich!
Cover
Kaufen

Versuche nicht, es zu erklären – überlebe es!

Der Londoner Medizinstudent Josh Keller ist rational, pragmatisch und glaubt nur an das, was er unter dem Mikroskop sehen kann. Doch Nacht für Nacht fesselt ihn eine unerklärliche Schlafparalyse an sein Bett. Unfähig, sich zu bewegen, starrt er hilflos auf die schattenhafte Gestalt am Fenster – ein Wesen mit eisig-weißen Augen, das unaufhaltsam näher rückt.

Als sich sein Professor aus dem Fenster stürzt, zerbricht für Josh die Grenze zwischen Medizin und Mythos. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Aiden und Ellie stößt Josh auf ein düsteres Geheimnis: Der ›Incubus‹ sucht einen neuen Wirt ...

Klinische Medizin trifft auf albtraumhaften Dämonen-Horror: Ein nervenaufreibender Thriller über die Grenzen des Verstandes und das Grauen, das im Schlaf lauert.

Chaptune Logo - Die Musik zum Buch

Ein exklusives chaptune Musikalbum begleitet dich durch jede Seite.

Jetzt reinhören

Neugierig, wie es weitergeht?

Dann hole dir das Buch beim (Online-) Buchhändler deines Vertrauens!

Shop
0 % gelesen
Schriftgröße: 100 %

Shop

Dieses Werk erscheint am 13.08.2026.

Cover

Josh schrak hoch – oder besser gesagt: Er wollte hochschrecken. Stattdessen schlugen ihm Panik und Orientierungslosigkeit wie eine eiskalte Welle ins Gesicht. Seine Augen rissen sich auf, weiteten sich im Dunkeln wie die eines Tieres, das in die Falle geraten war. Kalter Schweiß rann in Rinnsalen über seine Schläfen, klebte ihm auf der Stirn, in den Achselhöhlen, am Rücken, als hätte ihn jemand mitten in der Nacht in ein Becken aus Eiswasser getaucht.

Er atmete schnell, doch flach – ein keuchendes, kaum hörbares Stoßen von Luft, das in der Stille des Zimmers fast zu laut erschien. Etwas stimmte nicht. Etwas stimmte überhaupt nicht.

Es war Nacht. Das war das Erste, was sein halb erwachter Verstand irgendwie begreifen konnte. Tiefe, undurchdringliche Nacht, durchzogen nur vom schwachen, fahlsilbernen Schein des Mondes, der sich wie ein Schleier durch die Vorhänge drängte und dem Raum eine fast unwirkliche Blässe verlieh. Es war jene Art von Licht, das nichts wirklich erhellte, sondern die Schatten nur noch schwärzer erscheinen ließ. Alles lag still. Zu still.

Josh wollte sich aufrichten, den Albtraum abschütteln, der ihn – das wusste er nun – nicht wirklich losgelassen hatte. Doch sein Körper blieb liegen. Starr. Regungslos.

Ein eisiger Stich durchfuhr ihn, als ihm dämmerte, dass er sich nicht bewegen konnte. Nicht einmal seine Finger. Nicht einmal ein Zucken.

Er versuchte es erneut, zwang seine Muskeln zur Anspannung, wollte sich aufrichten, aus dem Bett schwingen, zur Tür rennen, Licht anmachen – irgendetwas. Doch nichts geschah. Seine Glieder lagen da wie leblos, als gehörten sie nicht mehr zu ihm. Eine unsichtbare Macht drückte ihn in die Matratze. Nicht schwer, nicht gewaltsam – eher wie ein sanfter, aber unnachgiebiger Druck, als hätte sich die Schwerkraft vervielfacht und ihn an sein Bett geschmiedet.

Panik flammte auf, grell und plötzlich wie ein elektrischer Schlag. Er war wach. Er wusste es. Kein Traum. Kein diffuses Träumen, keine trügerische Zwischenwelt. Seine Gedanken waren klar. Glasklar. Und gerade diese Nüchternheit machte alles nur noch schlimmer.

Beweg dich, dachte er. Komm schon. Beweg dich.

Nichts. Nur seine Augen – nur sie gehorchten ihm. Langsam, schleppend, als würden selbst sie gegen einen unsichtbaren Widerstand arbeiten, glitten seine Pupillen durch das Zimmer. Er wollte schreien, nach Hilfe rufen, wenigstens flüstern, aber seine Lippen blieben verschlossen, versiegelt wie von einem Fluch.

Er lag in seinem Schlafzimmer, das war sicher. Er erkannte die Umrisse des Schranks, den Schatten des Bücherregals, das verwaschene Muster des Teppichs, das der Mond blass überflutete. Alles war wie immer – und doch nicht.

Denn dann sah er es. Am Fenster.

Zuerst war es nur eine Unregelmäßigkeit im Licht, ein kaum greifbares Störbild im Spiel der Schatten. Doch mit jeder Sekunde, mit der sich seine Augen mehr an die Dunkelheit gewöhnten, formte sich aus dem flackernden Grau etwas Konkretes. Etwas Unverkennbares.

Eine Gestalt. Stumm. Starr. Menschlich – aber seltsam entstellt. Zu groß? Zu gekrümmt? Es war schwer zu sagen. Die Gestalt stand direkt vor dem Fenster, halb verborgen vom Vorhang, doch deutlich sichtbar in ihrer Silhouette. Ihr Körper wirkte angespannt, als würde er sich gegen das Glas lehnen – oder als hätte er eben noch hineingestarrt und wäre im Moment des Ertapptwerdens eingefroren. Doch der Kopf war geneigt, leicht schräg, wie bei einem Tier, das sich ein Bild machen wollte. Und er war auf Josh gerichtet. Unzweifelhaft.

Ein kalter Schauder kroch über Joshs Rücken, langsam, schleichend, als würde eine Hand mit Eiskrallen an seiner Wirbelsäule entlangfahren. Er konnte die Gestalt nicht erkennen – nicht ihr Gesicht, nicht ihre Kleidung. Sie war mehr Schatten als Mensch. Und doch hatte sie eine Präsenz, die sich mit brutaler Klarheit in Joshs Bewusstsein einbrannte.

Der Raum war still. Kein Wind. Kein Geräusch. Nur das nervöse Pochen seines Herzens, das in seinen Ohren dröhnte. Die Gestalt bewegte sich nicht. Auch Josh nicht. Gefesselt von der Starre konnte er nur zurückstarren. In das, was dort am Fenster stand. In das Nichts, das zurückblickte. Er glaubte, etwas zu sehen – ein leichtes, kaum sichtbares Flackern in der Region, wo die Augen sein mussten. Als würden die Augen der Gestalt im Mondlicht schimmern, als läge hinter ihnen etwas Unruhiges, Unmenschliches. Kein Lichtreflex. Etwas anderes.

Zeit verlor ihre Bedeutung. Sekunden dehnten sich, streckten sich, wurden zu Minuten. Josh wusste nicht, wie lange sie sich anstarrten. Er wusste nur, dass er wehrlos war. Ausgeliefert. Dass jedes rationale Denken sich in pure Angst auflöste.

Er versuchte, seinen Körper zu zwingen. Krallte sich innerlich an jeden Hauch von Kontrolle, an jeden mentalen Hebel, den er finden konnte. Zuerst wollte er nur seinen kleinen Finger bewegen. Dann die Hand. Dann den Arm. Es war, als würde er gegen zähflüssigen Teer ankämpfen, als würde jede Bewegung gegen eine übermächtige Wand prallen. Doch langsam, ganz langsam, geschah etwas. Etwas löste sich. Etwas ließ nach.

Ein Ruck. Ein Zucken. Sein Brustkorb hob sich plötzlich, heftig, als würde er aus tiefem Wasser auftauchen. Mit einem japsenden Atemzug fuhr Josh hoch, als hätte ihm jemand das Leben zurückgegeben. Seine Hände griffen ins Leere, sein Herz raste. Er war frei. Frei! Sofort wanderte sein Blick zum Fenster. Nichts. Die Gestalt war verschwunden. Keine Silhouette. Kein Schatten. Nur der Mond, der noch immer bleich und teilnahmslos auf die Szenerie herabsah.

Er keuchte. Setzte sich ganz auf. Rieb sich über die Arme, über die Beine. Bewegte die Finger, tastete über sein Gesicht, öffnete und schloss die Hände. Alles funktionierte. Sein Körper gehorchte wieder. Doch das flaue Gefühl blieb. Die Kälte. Der Nachklang der Angst, der noch immer durch seine Knochen vibrierte.

Josh blieb lange sitzen. Starrte ins Dunkle. Er wusste, was er erlebt hatte. Kein Traum.

Keine Einbildung. Das war real. Etwas hatte in seinem Zimmer gestanden. Etwas hatte ihn beobachtet. Und es wusste jetzt, dass er es gesehen hatte.